PayPal, VISA und MasterCard könnten für deutsche Spieler nicht verfügbar sein
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Online Poker: legal oder illegal in Deutschland

Nach den USA ist Deutschland inzwischen die zweitgrößte Pokernation weltweit. Auf dem deutschen Markt tummeln sich dutzende Anbieter, die täglich tausende Spieler für Echtgeld-Turniere zusammenbringen. Mit dem neuen deutschen Glücksspielvertrag ist Online Poker nun legalmöglich.

Gilt nur für Spieler aus Schleswig-Holstein oder deutschsprachige Kunden außerhalb Deutschlands. Nicht verfügbar für Spieler aus anderen deutschen Bundesländern.

Warum wird Online Poker überhaupt reguliert?

Online Poker wird aus dem gleichen Grund reguliert, aus dem auch Sportwetten nicht frei veranstaltbar sind: um Gefahren wie die Teilnahme Minderjähriger, Spielsucht und Geldwäsche zu verhindern und zu überwachen.

In aller Kürze

  • Gemäß dem alten deutschen Glücksspielstaatsvertrag war die Veranstaltung öffentlicher Glücksspiele im Internet grundsätzlich verboten.
  • Seit Juli 2012 waren Lotterien und Sportwetten können ausnahmsweise erlaubt
  • Die Teilnahme an Glücksspielen war bisher nur in staatlichen Spielbanken erlaubt, die über eine Konzession verfügen
  • Angebot sowie Teilnahme an nicht lizenzierten Online-Glücksspielen ist nach §§284, 285 StGB strafrechtlich verboten
  • Poker ist laut Auffassung des Staates ein Glücksspiel
  • Gelegentliche Homegames, auch wenn um Geld gespielt wird, sind übrigens legal, wenn diese in geschlossener Gesellschaft und nicht gewohnheitsmäßig stattfinden (§§ 284, 285 StGB).
  • Der neue deutsche Glücksspielvertrag, der am 1. Juli 2021 in Kraft getreten ist, ermöglicht es Anbietern nun, eine Lizenz für legales  Online Poker in Deutschland zu bekommen.
  • Online Poker Seiten dürfen keine anderen Spiele anbieten.
  • Der Anbieter muss für jeden Poker Einsatz 5,3% Steuern abführen.

Was ändert sich für Online Poker Spieler?

Das müssen Sie beachten, wenn Sie online Poker spielen. Diese Regelungen dienen dazu, den Kunden beim verantwortungsbewussten Spielen zu unterstützen. 

  • Die wohl gravierendste Änderung ist, dass die Einsätze limitiert sind. Jeder Spieler kann in Zukunft nur noch bis zu 1.000EU monatlich einzahlen. 
  • Keine Platzwahl – Spieler werden zufällig an einen Tisch gesetzt.
  • Es kann maximal an 4 Tischen gleichzeitig gezockt werden.
  • Es gibt einen Panik Knopf – damit kann sich der Spieler für 24 Stunden ausschalten. 

Glücksspiel oder Geschicklichkeitsspiel?

Leider gibt es auf die Frage der Legalität rund um das Online Pokern in Deutschland keine einfache Antwort. Aber eines ist klar: weder Juristen noch Gerichte durchblicken das Gesetzesdickicht so richtig!

Die elementare Frage in Bezug auf Poker und dessen Regulierung lautet: handelt es sich um ein Glücksspiel oder Geschicklichkeitsspiel? Das diese Frage sich nur sehr schwer beantworten lässt haben zahlreiche Unstimmigkeiten und Prozesse gezeigt.

Studien, die von namenhaften Instituten und Unternehmen durchgeführt wurden ordnen den Strategieanteil beim Pokern irgendwo zwischen 25 – 40% ein. Den einen reicht das um das Spiel als Geschicklichkeitsspiel zu definieren, den anderen nicht.

Klar ist: Poker trägt Charakteristika beider Kategorien in sich. Keiner wird widersprechen das – sollte alles mit rechten Dingen zugehen – die Verteilung der Karten vollkommen auf Glück basiert. Im Spiel selber jedoch, finden sich durchaus eine ganze Reihe von individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten, die den Ausgang des Spiels beeinflussen. Wie ließe sich sonst erklären, dass man bei großen Turnieren fast immer die gleichen Gesichter antrifft.

Nicht nur die erhaltenen Karten bestimmen den Ausgang einer Partie;  mathematische, psychologischen und strategischen Entscheidungen und Faktoren spielen eine ausschlaggebende Rolle. Bluffen, Selbstbeherrschung, Täuschungsmanöver und das richtige Gespür für Gewinnchancen unterscheiden erfolgreiche Spieler von weniger erfolgreichen. Trotzdem, so komplex das Spiel auch sein mag, bislang erfolgt die Einordnung als Glücksspiel.

Warum ist das wichtig?

Grundsätzlich war das spielen um Geld nur in staatlich zugelassenen Spielbanken erlaubt. Trotzdem spielen hierzulande Millionen Menschen Online Poker. Der daraus resultierende Umsatz wird auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt.

Rechtlich werden Spiele in Glücks- sowie Geschicklichkeitsspiele unterteilt. Dabei ist ausschlaggebend, ob Gewinn oder Verlust überwiegend vom Zufall oder von Wissen, Talent und Fähigkeiten abhängen. Einfach gesagt bedeutet das für die beiden Kategorien das bei Glücksspielen der Zufall entscheidet, bei Geschicklichkeitsspielen hingegen ist der Ausgang des Ereignisses maßgeblich vom eigenen Können abhängig.

In welche Kategorie ein Spiel eingeordnet wird ist wichtig, da Glücksspiele in Deutschland streng reguliert und die Veranstaltung bzw Teilnahme an unerlaubten Veranstaltungen nach §§ 284, 285 StGB sogar strafbar ist. Anders verhält sich das mit Geschicklichkeitsspielen oder so genannten „Unterhaltungsspielen“ die per Definition zwar unter die Glücksspiele fallen, bei denen aber nur mit geringfügigen und damit „unerheblichen“ Einsätzen gespielt wird. Eine feste Grenze wird nicht vorgegeben, allgemein wird aber angenommen, dass Einsätze unter 50 Cent noch in diese Kategorie fallen.

Regelung des Glücksspiels in Deutschland

Deutsche Gesetzgebung vs. EU-Recht – Ein kurzer Rückblick

Gerichte und Rechtsexperten in Deutschland und Europa waren sich uneinig über die EU-Rechtskonformität der restriktiven deutschen Glücksspielregulierung. Im Jahr 2006 hatte das Bundesverfassungsgericht den Lotteriestaatsvertrag und seine Monopolregelungen für verfassungswidrig erklärt, 2010 hatte der Europäische Gerichtshof den Glücksspielstaatsvertrag 2008 (indirekt) für unionsrechtswidrig und unanwendbar erklärt. Der Vertrag vom 01. Juli 2012 legalisierte zumindest Sportwetten für einen bestimmten Zeitraum unter Auflagen.

Private Anbieter durften auf dem deutschen Markt ihre Dienstleistung nicht anbieten. Um genau diesem Verbot in Deutschland zu umgehen, verlegten sie ihren Firmensitz in EU-Länder, in denen Online Poker legal und eine entsprechende Lizenzierung möglich ist. So erlaubt das Internet den Anbietern, auf dem deutschen Markt tätig zu werden, ohne dass ihre Server sich auf deutschem Grund und Boden befinden.

Grundlage ihrer Bemühungen ist die europäische Dienstleistungsfreiheit, die eine der vier Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarktes darstellt und allen Anbietern von gewerblichen, kaufmännischen, handwerklichen und freiberuflichen Tätigkeiten den freien Zugang zu den Dienstleistungsmärkten aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union ermöglicht.

Folglich würde ein Verbot dieser Anbieter am Markt gegen die gültigen EU-Richtlinien verstoßen.

Die folgende Karte zeigt, wieviel sich in den letzten Jahren innerhalb der EU in Punkto Glücksspielregulierung getan hat:

Grauzone Online Poker

Nach wie vor sind die Gerichte zum Großteil der Auffassung, dass sowohl das Anbieten wie auch die Teilnahme laut §284 StGB & §285 StGB an nicht lizenzierten Online-Glücksspielen strafbar ist. Geahndet werden kann die Teilnahme mit Freiheitsstrafen von bis zu 6 Monaten oder Geldstrafen von bis zu 180 Tagessätze.

Dass sich Millionen Spieler somit tag täglich strafbar machten, zeigte,, dass die derzeitige Gesetzeslage in Deutschland nicht mehr dem Zeitgeist entsprach.

Die Frage, die sich die Verantwortlichen und in Deutschland und der EU immer wieder stellen müssen ist: was ist mit Anbietern, die ihren Firmensitz nicht im Inland haben und über eine Lizenz im eigenen Land verfügen?

Anbieter mit Sitz im Ausland

Denn bei dem Bärenanteil der Anbieter im Internet handelte es sich bisher um eben diese. Die gängigsten Firmensitze der Anbieter sind zum Beispiel Gibraltar, die britischen Kanalinseln oder Malta. In diesen Ländern ist die Rechtslage gegenüber dem Glücksspiel günstiger und der Erhalt von Lizenzen möglich.

Laut EU-Recht der Dienstleistungsfreiheit haben sie dementsprechend das Recht, ihre Dienstleistung auf allen europäischen Binnenmärkten anzubieten.

Häufig ist es zudem in vielen Fällen so, dass mit der Annahme der AGBs der Teilnehmer versichert, das Glücksspiel an seinem Standort erlaubt und mit der Gesetzeslage konform ist. Dies ist zum einen für den Nutzer problematisch, da so versucht wird, die Schuld auf ihn abzuwälzen und zum anderen, sollte der Anbieter einmal – berechtigt oder nicht – das Konto sperren, bleibt dem Spieler kaum eine Möglichkeit, gerichtlich dagegen vorzugehen.

Spielgeld vs Echtgeld

Wer auf der sicheren Seite sein will und wem die Freude am Spiel wichtiger ist als mit Online Poker wirklich Geld zu verdienen, dem bietet sich die Option Online kostenlos mit „Spielgeld“ zu spielen. So gut wie jede auf dem Markt angebotene Software bietet die Spielgeld-Version in der Regel an.

Das Spielen ohne wirkliche Einsätze ist nicht nur legal sondern auch eine super Möglichkeit Regeln sowie Strategien zu erlernen und sich langsam im Spiel zurecht zu finden.

Vom Prinzip her unterscheiden sich Echt- und Spielgeldtische kaum. Natürlich werden sich, wenn es um echte Einsätze und hohe Gewinne geht, deutlich stärkere Spieler einfinden und ab und an kann es dazu kommen, dass Spieler, wenn es nicht um echtes Geld geht das Spiel nicht ernst nehmen und strategische Überlegungen eher im Hintergrund den Hintergrund geraten.

Wer um Echtgeld spielt sollte sich – auch wenn eine Verurteilung unwahrscheinlich ist – dem Risiko bewusst sein. Denn egal ob das deutsche Recht mit EU Richtlinien konform ist oder nicht, wenn es hart auf hart kommt, droht eine Verurteilung!

Profi oder Hobbyspieler? Versteuerung des Einkommens

Wenn es um die Versteuerung des Einkommens aus Online-Spielen kommt, ist eine Aussage besonders treffend: Es kommt drauf an. Zwar ist laut deutschem Recht Poker ein Glücksspiel und bleibt damit eigentlich steuerfrei. Ganz so einfach ist das in der Praxis aber leider nicht und  es gab bereits diverse Urteile.

Generell werden grob 3 Fälle unterschieden:

1) Legale Spiele als Freizeitbeschäftigung

Poker wird vom Staat – genauso wie Lotto und Slots Spiele – als Glücksspiel betrachtet. Steuerlich ist das ein Vorteil, da Einnahmen aus legalen Glücksspielen, die die private Vermögensebene betreffen im ersten Schritt zunächst einmal steuerfrei sind (gilt auch für Millionengewinne aus Vegas). Das bedeutet jedoch auch, dass man Verluste, die im Zusammenhang mit den Gewinnen entstanden sind (Einsätze, Reisekosten, Verluste etc.) ebenfalls nicht geltend machen kann.

Beachten sollte man jedoch, dass dies nur für den ersten Schritt gilt. Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden, die aus den Gewinnen resultieren müssen in der Steuererklärung angegeben und somit auch versteuert werden.

2) Legales Pokern als Profi

Anders verhält es sich bei Profis, die nach § 15 EstG gewerbliche Einkünfte aus ihrem Spiel erzielen und diese somit versteuern müssen.

Ob man noch als Freizeitspieler oder als Profi eingestuft wird, wird in der Praxis anhand von mehreren Kriterien entschieden. Zunächst wird festgestellt ob der Großteil der Arbeitszeit mit Online Pokern verbracht wird, ob noch andere Einkünfte erzielt werden und ob eine ernsthafte Gewinnabsicht zugrunde liegt.

Die Steuer wird dann – wir auch bei regulären Arbeitnehmern – anhand der tatsächlichen Einnahmen festgesetzt. D.h. Einnahmen abzüglich Aufwendungen. Aufwendungen die geltend gemacht werden sollen müssen natürlich genaustens dokumentiert und belegbar sein.

3) Illegale Spiele

Etwas bizarr aber die bisherige Rechtsmeinung: auch Einnahmen aus illegalem Glücksspiel müssen nur dann versteuert werden, wenn der Spieler als Profispieler einzustufen und die Tätigkeit als gewerblich eingestuft werden kann.

Wer sich also seinen Lebensunterhalt (zumindest den Großteil) mit Online Pokern verdient, muss den Gewinn versteuern. Genau wie im zweiten Fall können Verluste ebenfalls geltend gemacht werden.

Wer also nur ab und an freizeitmäßig online spielt, der unterliegt noch keiner Steuerpflicht.

Achtung: die Abgabe von Steuern hat keinen Einfluß auf die Strafbarkeit. Wer illegal pokert kann sich mit dem Zahlend der Steuer nicht aus der strafrechtlichen Verfolgung herauskaufen.

Fazit

Wieviele Menschen in Deutschland wirklich regelmäßig Online-Poker spielen ist nicht bekannt. Geschätzte Zahlen bewegen sich vom sechsstelligen Bereich bis hin in die Millionen. Ob es sich nun um ein Geschicklichkeitsspiel handelt oder nicht, ist erst einmal zweitrangig. Rein gesetzlich und nach Ansicht mancher Gerichte ist Poker nach wie vor ein Glücksspiel, damit erlaubnispflichtig und somit die Teilnahme an nicht lizenzierten Spielen strafbar. Jeder Spieler sollte sich diesem Risiko bewusst sein.

Mit dem neuen Glücksspielvertrag können Spieler aus Deutschland nun bei Anbietern, die eine entsprechende Lizenz erhalten haben, endlich völlig legal Online Poker mit Echtgeld spielen. Und das hat einige Vorteile:

Falls ein Anbieter mit Sitz im Ausland sich weigert erspielte Gewinne auszuschütten ist es aufgrund der Rechtslage so gut wie unmöglich, vor einem deutschen Gericht zu klagen. Zum einen, weil der Vertrag mit dem Anbieter gegen geltendes Recht verstößt, und zum anderen muss man sich bewusst sein, dass man mit einer Klage eine illegale Handlung, die laut Gesetz strafbar ist, zugibt. 

Wer also legal und ohne Bedenken sein Glück beim Online Poker versuchen möchte, sollte das bei einem deutschen Anbieter tun, der den Regeln des neuen Glücksspielgesetzes folgt und in Deutschland lizenziert ist.